Narration und Theoriebildung

07. Jun. 2012

Am 23. Mai 2012 ver­tei­digte Jutta König, Psy­cho­lo­gin im nie­der­län­di­schen Loos­drecht, im Aca­de­mie­ge­bouw Utrecht vor dem Kol­le­gium der UvH und exter­nen Hoch­schul­leh­rern erfolg­reich ihre Dis­ser­ta­tion »Moving Expe­ri­ence – Com­ple­xi­ties of Acculturation«.

Dafür erkun­dete sie empi­risch die Theo­rie des Dia­lo­gi­schen Selbst und erwei­terte sie für den Kon­text der inter­kul­tu­rel­len Sozialisation.

So unter­suchte sie die Inter­ak­tio­nen zwi­schen Kar­rie­re­be­ra­tern und aka­de­misch gebil­de­ten Flüchtlingen.

Dabei zeigte sich, dass Migran­ten ihr Anders­sein ver­ber­gen und dass sub­tile Stra­te­gien bei der Aus­ein­an­der­set­zung mit diesen Unter­schie­den der Ent­wick­lung einer kul­tu­rel­len Viel­fäl­tig­keit im Unter­neh­men im Wege stehen.

Eigene Methode entwickelt

Rund ein Jahr­zehnt hatte Dr. Jutta König berufs­be­glei­tend an ihrer Unter­su­chung gear­bei­tet, mit dem Ziel, zum bes­se­ren Ver­ste­hen mul­ti­kul­tu­rel­ler Posi­tio­nen und des Sozia­li­sa­ti­ons­pro­zes­ses von Migran­ten bei­zu­tra­gen. Sie ent­wi­ckelte dazu eine eigene Methode für das Ver­ständ­nis der Kom­ple­xi­tät hybri­der Iden­ti­tä­ten, die sie Per­so­nal Emo­tio­nal Account of Cul­tu­ral Expe­ri­ence (PEACE) nennt.

Für ihre Her­an­ge­hens­weise, sowohl nar­ra­tiv, auf Basis vieler Erzäh­lun­gen von Migran­ten, die Pro­blem­lage ein­zu­fan­gen, als auch mit den Metho­den ihrer Pro­fes­sion zu arbei­ten und sie gar zu erwei­tern, bekam sie von ihrem Pro­mo­tor (»Dok­tor­va­ter«) Prof. Dr. Harry Kun­ne­man bei seiner abschlie­ßen­den Wür­di­gung viel Lob. Er hatte sie gemein­sam mit Prof. Dr. Halleh Gho­ra­shi (Freie Uni­ver­si­tät Ams­ter­dam) inten­siv betreut.

Als Prüfer wirk­ten bei diesem Ver­fah­ren Prof. Dr. Hans Alma (UvH), Prof. Dr. Rosi Brai­dotti und Prof. Dr. Chris­tien Brink­greve (Univ. Utrecht), Prof. Dr. Ruben Gowri­charn (Univ. Til­burg) sowie Prof. Dr. Hubert Her­mans (Rad­boud Univ. Nij­me­gen) mit.

Drei­stu­fi­ges Verfahren

Die Regu­la­rien zur Erlan­gung des höchs­ten aka­de­mi­schen Abschlus­ses sind für die Kan­di­da­ten meist anstren­gend: Man hat in der Regel zwei Betreuer, die als erste die Arbeit prüfen. Danach muss man erst noch von einer Kom­mis­sion ein posi­ti­ves Urteil erhal­ten, bei dem die Betreuer nicht stimm­be­rech­tigt sind. Abschlie­ßend folgt die Mög­lich­keit zur öffent­li­chen Ver­tei­di­gung der Arbeit.

Für die Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen und Freunde der Dok­to­ran­din sowie für die zahl­rei­chen Berufs­kol­le­gen war die aka­de­mi­sche Aus­ein­an­der­set­zung bei der Dis­pu­ta­tion sicher­lich nicht immer verständlich.

Fach­be­griffe wurden dis­ku­tiert, metho­di­sche Schritte ana­ly­siert, Defi­ni­ti­ons­pro­bleme erör­tert – manche Details wurden recht aus­führ­lich in Augen­schein genom­men. So erwies sich diese Ver­an­stal­tung wie gehabt als eine harte uni­ver­si­täre Prü­fung und nicht nur als ein fei­er­li­ches aka­de­mi­sches Ritual.

Für mich als Teil­neh­mer in der Corona war es hoch­in­ter­es­sant und berei­chernd, denn gerade der Brü­cken­schlag vom Nar­ra­ti­ven zur berufs­ori­en­tier­ten Metho­dik erwies sich in Juttas Arbeit als eine durch­aus emp­feh­lens­werte Vorgehensweise.

Dafür konnte ich ihr beim anschlie­ßen­den Emp­fang meinen herz­li­chen Glück­wunsch und Dank zugleich ausdrücken!

Allgemein
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