Die Kraft des Erzählens

18. Sep. 2011

Am 5. Sep­tem­ber 2011 eröff­nete die Rek­to­rin der Uni­ver­sity of Huma­nistic Stu­dies (UvH) in Utrecht, Prof. Dr. Hans Alma, das neue aka­de­mi­sche Jahr 2011 - 2012 unter dem Motto »Die Kraft des Erzählens«.

Rek­to­rin Prof. Dr. Hans Alma (re.) berich­tete ein­lei­tend u. a. über den Beschluss der Hoch­schul­lei­tung, nun­mehr einen drei­jäh­ri­gen Mas­ter­stu­di­en­gang anzu­bie­ten, der genü­gend Zeit lässt für die aka­de­mi­sche und die berufs­prak­ti­sche Bil­dung. Zudem griff sie aktu­elle Dis­kus­sio­nen in der huma­nis­ti­schen Wis­sen­schaft auf und ver­wies auf den Ansatz des bri­ti­schen Sozio­lo­gen Ken Plum­mer. Er ver­tei­dige einen prag­ma­ti­schen, kri­ti­schen Huma­nis­mus und habe eine Form der Sozi­al­wis­sen­schaft vor Augen, die sowohl an der Viel­far­big­keit per­sön­li­cher Erzäh­lun­gen inter­es­siert sei als auch an dem Muster, das ent­stehe, wenn diese Erzäh­lun­gen in Pro­zes­sen der Inter­ak­tion und Gemein­schafts­bil­dung geteilt werden.

Den Fest­vor­trag hielt Prof. Dr. Halleh Gho­ra­shi (li.) aus Ams­ter­dam. Sie befasst sich mit den Erfah­run­gen von Migran­ten und berich­tete u. a. aus den Erzäh­lun­gen nie­der­län­di­scher Frauen, die über­wie­gend aus ande­ren Län­dern stam­men: Iran, Irak, Türkei, Marokko und Suri­nam. Dabei geht es ihr um das Schaf­fen von »Zwi­schen­räu­men« in der Kom­mu­ni­ka­tion, die für ein Gleich­ge­wicht zwi­schen Unter­schied und Gemein­sam­kei­ten zwi­schen den Men­schen aus ver­schie­de­nen Kul­tu­ren sorgen können.

UvH-Dozentin Dr. Anneke Sools ver­tiefte anschlie­ßend dieses Thema durch eine Vor­stel­lung der nar­ra­ti­ven Methode, wie sie an der Uni­ver­si­tät viel­fach ange­wandt wird.

Jochum Dam­s­tra, Mas­ter­ab­sol­vent der Uni­ver­si­tät, berich­tete von einem Stu­di­en­pro­jekt als Mit­ar­bei­ter der TV-Sendereihe »Achter de voordeur« (Hinter der Außen­türe). Darin kommen fünf­mi­nü­tige Videobe­richte von Men­schen vor, in denen es um ihre Lebens­ge­schich­ten geht.

Es sei natür­lich eine gute Sache, sagte er im Rück­blick, dass Men­schen dort authen­tisch erzäh­len könn­ten; dabei lern­ten die Rezi­pi­en­ten etwas über den ande­ren, aber auch über sich selbst. Aller­dings bestünde auch die Gefahr, dass solche Geschich­ten sozu­sa­gen ver­schwin­den, wenn sie nur teil­weise wahr­ge­nom­men werden und beim Schnei­den des Bei­trags ihren Kon­text verlieren.

Jochum for­derte die Jour­na­lis­ten auf, den Ver­bin­dun­gen, dem Zusam­men­hang und der Kom­ple­xi­tät des Ganzen einer Geschichte gerecht zu werden und nicht nur für ein redak­tio­nel­les Ein­zel­thema Frag­mente aus den Erzäh­lun­gen von Men­schen zu ver­wen­den. Diese For­de­rung for­mu­lierte er als einen Bei­trag zur Huma­ni­sie­rung des Journalismus.

Der Fei­er­stunde wohn­ten die Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren der UvH sowie ihr ver­bun­dene Hoch­schul­leh­rer ande­rer Uni­ver­si­tä­ten bei, außer­dem die Mit­ar­bei­ter und Stu­die­ren­den sowie deren Ange­hö­rige und Bekann­ten. Sie endete mit einem Emp­fang im Garten der Uni­ver­si­tät, bei dem die Impulse der Fest­ver­an­stal­tung noch lange in vielen Gesprä­chen auf­ge­grif­fen und wei­ter­ge­führt werden konnten.

Alle Fotos: Echt­mooij

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